St. Martinus Repelen 

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		Konrad Scherpenberg

 

    

 

Alle paar Jahre fallen wie in diesem das christliche und das jüdische Osterfest (Pessach) zusammen. Mit etwas ökumenischem Eifer darf man auch Nowruz (»Neuer Tag«) einreihen. Obwohl kein muslimischer Feiertag, wird er in weiten Teilen der islamischen Welt, vor allem im Iran, rund um den Frühlingsanfang begangen. Lessings Ringparabel (»Alle sind Gott gleich lieb«) mal anders; der gemeinsame Nenner ist der Frühling, das Wiedererwachen der Natur nach langer Winternacht.

Jeder macht's auf seine Weise. Christen gedenken des Opfertodes und der Wiederauferstehung Jesu. Die Juden feiern die Befreiung aus pharaonischer Knechtschaft und die Wiedergeburt im Gelobten Land. Iraner und verschiedene Schia-Sekten erfreuen sich am Sieg des Lichts über die Dunkelheit.

Aber allen gemeinsam ist das Urthema der Auferstehung: des Sohnes Gottes, des jüdischen Volkes, der Natur. Die drei Religionen haben voneinander geborgt - und alle zusammen von älteren Kulturen, die von dem einen und einzigen Gott keinen blassen Schimmer hatten.

Das christliche Abendmahl ist der jüdische Seder, das Festessen am Vorabend von Pessach. Die Matze, das ungesäuerte Brot, ist zum »Leib Christi« geworden, der Wein, der den Juden die Freiheit symbolisiert, zum »Blut, das für euch vergossen wird«. Neue Bedeutungen, uralte Symbole, die auf das gemeinsame mythische Erbe verweisen: Befreiung, Erweckung, Erlösung verheißen die Überwindung des Todes.

Fruchtbarkeitssymbole beherrschen alle drei Feste. Gepriesen wird das Reifen der ersten Saat, symbolisiert durch das frische Grün, das an keinem Tisch fehlen darf. Bei Ostern und Pessach spielen das Ei und das neugeborene Lamm einen zentralen Part; bei Nowruz sind es Gersten- und Linsensprossen. Alle zelebrieren sie den Urmythos des ewigen Lebens.

Übrigens geht jedem dieser drei Feste der Frühjahrsputz (bei den Juden sogar als rituelle Pflicht) voraus, auch dieser ein Symbol des Neuanfangs. Heidnisch oder monotheistisch? Es tut nichts zur Sache, ist doch der Glaube an die Überwindung von Elend, Angst und tiefster Nacht allen gemein, den Natur- wie den abrahamitischen Religionen.

An Ostern, Pessach und Nowruz begrüßen alle den Frühling, der für die tiefreligiöse Erfahrung der Transzendenz steht. Muss man dazu an Gott glauben? Heute leben wir wie die alten Israeliten im Zeitalter der Wanderschaft, wo die Völker sich mischen und reiben. 

Im Buch Exodus, dem Überwindungsmythos schlechthin, steht: »Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken, denn ihr wisst um der Fremdlinge Herz, dieweil ihr auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen.« Ob Heide, Christ oder Muselmann - dieses Ethos ist eine aktuelle Verpflichtung für alle, gläubig oder nicht.

 

 







 
   
   
   
   
   
   
   
   
   

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