Unsere Gemeinde St. Martinus Moers

Fusionsgemeinde aus den 6 Moerser "Nordgemeinden"

Warum Fusion?
Die Zahl der Priester im Bistum Münster ist weiterhin rückläufig. Während die starken Priesterjahrgänge durch Pension und Krankheit aus dem aktiven Dienst ausscheiden, wird die Zahl der Neupriester kleiner. Solange ein Priester, weil er Vorsteher der Eucharistiefeier ist, auch die Gemeindeleitung innehat, wird es in Zukunft immer mehr Gemeinden geben, die nicht von einem Priester geleitet werden können. Dieser Entwicklung will die Fusion entgegensteuern.

Ein zweites kommt hinzu:
In vielen Gemeinden, so auch bei uns in Moers, liegt der sonntägliche Gottesdienstbesuch bei ca. 10%. Das bedeutet, dass die Gottesdienstgemeinde sich zunehmend als kleine Gruppe erlebt. Hier macht es Sinn, Gottesdienste zu konzentrieren. Ähnliches gilt für die Kirchengebäude. Noch in den 60er und 70er Jahren wurden neue Kirchen gebaut, um möglichst vielen Menschen die Feier des Gottesdienstes zu ermöglichen. Bei immer weniger Auslastung stellt sich aber heute die Frage der Finanzierung,  zumal das Bistum Münster die Kirchensteuermittel für die Substanzerhaltung und die laufenden Betriebskosten nur noch sparsam oder bedingt einsetzen kann. Ähnliches gilt auch für alle anderen kirchlichen Gebäude.
Den Anlass für die Zusammenlegung von Gemeinden könnte man ganz knapp so formulieren: Priestermangel, Gläubigenmangel, Geldmangel.

Gute Gründe für die Fusion:
Im Laufe der Kirchengeschichte hat es immer mehr oder weniger einschneidende Veränderungen und neue Entwicklungen gegeben. Sie waren notwendig, um die Form der seelsorglichen Arbeit den veränderten Bedingungen des gemeindlichen Lebens anzupassen. Wir stehen heute im Prozess der Veränderung von der Volkskirche zu einer „Kirche im Volk” (Bischof Lettmann). Während sich noch vor einigen Generationen das kirchliche Leben in fast alle Bereiche des Zusammenlebens hinein auswirkte, hat es heute ein ganz anderes Gesicht bekommen. Kirchlichkeit und Frömmigkeit gehen für viele Menschen nicht mehr Hand in Hand. Neben der Freiheit zum Glauben ist die Freiheit zum Mitvollzug des kirchlichen Lebens getreten, was für viele bedeutet, das kirchliche Leben als Wahlangebot anzunehmen oder abzulehnen. Glaube und Kirche werden damit immer mehr in den Raum der persönlichen Entscheidung gestellt. Dieser Prozess beschleunigt sich, je mehr die lange Jahre lang tragenden kirchlichen oder sogar katholischen Milieus ihre Bedeutung verlieren. Aber: In jeder Krise, in jedem Umbruch steckt die Chance, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das Wesentliche der Kirche ist Jesus Christus. Wir sind gerufen (Kirche = ecclesia = die Herausgerufene), den Glauben an seinen Tod und seine Auferstehung zu feiern und von diesem Glauben her unser Leben und das Zusammenleben mit allen anderen zu gestalten. So können wir eintreten in seine Nachfolge und seine Zeugenschaft. Die Fusion bietet die Möglichkeit, unsere Kräfte auf dieses Ziel hin zu bündeln. Nicht jede Gemeinde muss alles tun. Schwerpunkte können gemeindeübergreifend gesetzt werden. Die Gemeindebezirke können sich in ihrer Arbeit unterstützen und ergänzen. Das gilt auch für die hauptamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Das neue Seelsorgeteam bietet die Chance, in einem größeren Miteinander die Arbeit zu planen, sich gegenseitig zu bereichern und zu entlasten. Durch die Zentralisierung der Verwaltungsarbeit werden neue Freiräume geschaffen, die für die Seelsorge genutzt werden können.

Und die „alten Pfarrgemeinden”?
Hier vollzieht sich nach wie vor das Gemeindeleben vor Ort. Hier fühlen sich viele beheimatet, weil Kirche hier für sie ein Gesicht hat. Ganze Lebensgeschichten und viele lebensprägende Erfahrungen sind mit der „alten Pfarrgemeinde” verbunden. Die Feiern von Taufe, Erstkommunion, Firmung, Trauung und vielfach auch das Begräbnis von Angehörigen schaffen ganz persönliche Beziehungen zur Kirche vor Ort. Das gleiche gilt für die vielen zwischenmenschlichen Kontakte, die gemeinsam erlebten Gottesdienste, für Feste und Feiern. All das soll - soweit es geht - weiter geführt und gefördert werden. Deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass sich viele ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Gruppen und Verbänden ebenso wie viele Mitglieder der Pfarrgemeinderäte und der Kirchenvorstände weiterhin engagieren wollen. In neu zu bildenden Gemeindeausschüssen (die bisherigen Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände werden aufgelöst) werden sie das Leben in ihrem Gemeindebezirk koordinieren und für die seelsorglichen Aktivitäten vor Ort Verantwortung übernehmen. Allerdings wissen wir auch, dass das kirchliche Leben vor Ort nur im Rahmen der personellen und finanziellen Rahmenbedingungen möglich ist. Deshalb werden wir uns mit dem Gedanken vertraut machen müssen, dass nicht alles aufrechterhalten werden kann, was uns wünschenswert erscheint. Es wird zur schmerzlichen Schließung von Gebäuden und zu Stundenkürzungen bei Mitarbeitern kommen. Das gilt es in gemeinsamer Verantwortung und auf dem Hintergrund eines pastoralen Gesamtkonzeptes zu beraten und zu entscheiden. Der erste gemeinsame Haushalt für das Jahr 2009 wird uns zeigen, wie die finanzielle Situation dann aussieht und welche Spielräume sich ergeben.

Lebendige Kirche sein!
Lebendige Kirche lebt aus dem Geist Gottes. Er ist uns geschenkt, unverdient und unverfügbar. Das ist die Botschaft von Pfingsten.  Wer sich dem Geist Gottes öffnet und ihm Raum gibt, mitten im Leben, trägt zur Lebendigkeit der Kirche bei. Das kann in der Familie genauso geschehen wie im beruflichen Alltag, in der Schule, im Kindergarten, im Altenpflegeheim, in der Freizeitgestaltung, und eben auch in den Lebensvollzügen der Gemeinde. Überall da sind wir Kirche, wo der Geist Gottes zum Zuge kommt. Jeder kann daran mitarbeiten und sein Charisma, seine Geistesgabe, einbringen, denn in jedem ist Gottes Geist lebendig. Was ist das für eine gewaltige und frohmachende Zusage! Aber es ist gleichzeitig auch Auftrag, sich aus diesem Geist heraus den Menschen zuzuwenden. „Löschet den Geist nicht aus!“  Er kann uns befähigen, das einzulösen, was das zweite vatikanische Konzil über den Auftrag der Kirche sagt: „Freude und Hoffnung, Bedrängnis und Trauer der Menschen von heute, besonders der Armen und Notleidenden aller Art, sind zugleich auch Freude und Hoffnung, Trauer und Bedrängnis der Jünger Christi. Und es gibt nicht wahrhaft Menschliches, das nicht in ihrem Herzen seinen Widerhall fände.”

Ihr Pfarrer Heinrich Bösing (im März 2008)